Evangelische Kirchengemeinde Büderich

Herbstausgabe des Gemeindebriefes erschienen

Wesel-Büderich, 18. August 2013: Die neue Nummer des Gemeindebriefes wird ab sofort druckfrisch verteilt. Die September-Ausgabe widmet sich u.a. den Themen "450 Jahre Heidelberger Katechismus", dem Wechsel von Pfarrer Wolff zur Diakonie und verschiedenen ökumenischen Aktivitäten. Darüber hinaus gibt es Berichte über die Kreissynode und viele Neuigkeiten aus den einzelnen Einrichtungen und Gemeindegruppen. Ebenfalls wird auf Aktivitäten und Veranstaltungen bis Anfang Dezember hingewiesen.

Der Gemeindebrief liegt in einigen Geschäften und in den Banken zur Mitnahme aus, ebenfalls im Evangelischen Familienzentrum Regenbogenhaus, im Adolph-Clarenbach-Haus, sowie in der Kirche. Auf besonderen Wunsch wird der Gemeindebrief auch über die Gemeindegrenzen hinaus per Post verschickt. Eine Veröffentlichung des Gemeindebriefes im Internet ist nicht vorgesehen. Er kann aber per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellt werden und wird dann gegen Portobeteiligung zugeschickt.

Das Vorwort schrieb Pfarrer Joachim Wolff

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Was ist wahrer Glaube?“ So lautet Frage 21 des Heidelberger Katechismus, der in diesem Jahr seinen 450. Geburtstag feiert. Trotz seines stolzen Alters ist dieser Katechismus mit seinen Fragen erstaunlich jung geblieben. Denn auch heute fragen Menschen danach, was wir eigentlich glauben können, woran wir glauben und an wen wir glauben. In seiner Antwort (siehe Titelbild) nennt der Heidelberger Katechismus drei Stichworte:
1. Wer glaubt, schaltet seinen Verstand nicht aus, denn der Glaube ist die „zuverlässige Erkenntnis“ Gottes.
2. Wer glaubt, schaltet sein Herz nicht ab, denn der Glaube ist „herzliches Vertrauen“.
3. Ich muss nicht alles selber schaffen, denn der Glaube wird mir „von Gott geschenkt“.

Ältere Gemeindemitglieder wissen davon zu berichten, dass sie Teile des Heidelberger Katechismus auswendig lernen mussten; nicht alle 129 Fragen und Antworten, aber mindestens Frage 21 oder auch Frage 1: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“. Über diese Fragen denken Jugendliche im Konfirmandenunterricht auch heute nach. Mit eigenen Formulierungen versuchen sie die Antwort auf Frage 1 zu verstehen, „dass ich mit Leib und Seele, im Leben und im Sterben, nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.“

Der Katechismus ist in Heidelberg fast 50 Jahre nach Beginn der Reformation als Unterrichtsbuch entstanden. Im ersten Teil geht es um das „Elend“ des Menschen (9 Fragen), im zweiten Teil um seine „Erlösung“ (74 Fragen) und im dritten Teil um unsere „Dankbarkeit“ (44 Fragen). Das menschliche „Elend“ stellt sich heute sicher anders dar, als vor 450 Jahren, aber es ist nicht verschwunden. Dass Menschen auch heute „Erlösung“ aus inneren und äußeren (Leistungs-)zwängen suchen, die uns von uns selber und von Gott entfernen, ist offensichtlich. Aber auch das gilt: Wer durch den Glauben gestärkt ist, hat es nicht mehr nötig, sich selbst und Anderen etwas zu beweisen. In dieser Freiheit können wir aus „Dankbarkeit“ gegenüber Gott Gutes tun.

Der Heidelberger Katechismus sollte vor 450 Jahren für die durch häufige Konfessionswechsel verwirrte Bevölkerung in der damaligen Kurpfalz ein theologisches Grundlagenbuch sein. Prediger und Schulmeister sollten nicht länger „[nach] ihrem eigenen Gefallen tägliche Änderungen vornehmen oder widerwärtige Lehre einführen.“ Das schrieb Kurfürst Friedrich III. im Vorwort zur ersten Auflage. Er holte Anhänger Calvins und Bullingers als Lehrer an die Heidelberger Universität – unter anderem Caspar Olevian und Zacharius Ursinus, die er mit dem Verfassen des Katechismus beauftragte. Nach seinem Erscheinen verbreitete sich der Katechismus rasch. Bereits zehn Jahre später, hat sich 1573 der reformierte klevische Synodalverband organisiert und den Heidelberger Katechismus zur Bekenntnisgrundlage erklärt. Die Büdericher Protestanten schlossen sich 1603, also vor 410 Jahren, dem reformierten klevischen Synodalverband an. Seitdem gilt auch in Büderich der Heidelberger Katechismus von 1563 als Bekenntnisgrundlage.

Natürlich kann man fragen, ob es noch zeitgemäß ist, sich innerhalb der evangelischen Kirche auf verschiedene Bekenntnisse (Konfessionen) zu berufen. Dass es hier die „Reformierten“, dort die „Lutheraner“ und woanders die „Unierten“ gibt, hängt mit der unterschiedlichen geschichtlichen Entwicklung der Reformation in Europa zusammen. Immerhin gibt es seit 1973 mit der „Leuenberger Konkordie“ eine Einigung, indem alle evangelischen Konfessionen gegenseitig Kirchen-, Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft anerkennen.

Auch innerhalb der evangelischen Ökumene bleibt  es hilfreich, sich der eigenen Herkunft zu vergewissern. Denn der Glaube und die Gestalt der Kirche sind nicht beliebig. Bei aller grundsätzlichen Einigkeit sollten wir um die uns prägenden Unterschiede wissen. So bleibt unser Glaube lebendig. In unserer Kirche steht vom 13. Oktober bis 3. November 2013 eine Wanderausstellung zum Heidelberger Katechismus.
Vielleicht sind Sie ja neugierig geworden.

Es grüßt Sie Ihr Joachim Wolff