Evangelische Kirchengemeinde Büderich

Neuer Gemeindebrief wird verteilt

Wesel-Büderich, 25. November 2013: Die neue Nummer des Gemeindebriefes wird ab sofort druckfrisch verteilt. Die Dezember-Ausgabe widmet sich hauptsächlich dem Thema "200 Jahre Zerstörung von Alt-Büderich" mit einem interessanten historischen Beitrag von Hermann J. Klein. Ebenfalls wird ausführlich über Edith Guttmann berichtet, die als Koordinatorin des Netzwerkes ausscheidet. Weitere Themen sind die anstehende Vakanz, die weitere Verwendung des Pfarrhauses, Veranstaltungen im Netzwerk Büderich, die Diakonie-Sammlung sowie viele Neuigkeiten aus den einzelnen Einrichtungen und Gemeindegruppen. Ebenfalls wird auf Aktivitäten und Veranstaltungen bis Anfang März hingewiesen.

Der Gemeindebrief liegt in einigen Geschäften und in den Banken zur Mitnahme aus, ebenfalls im Evangelischen Familienzentrum Regenbogenhaus, im Adolph-Clarenbach-Haus, sowie in der Kirche. Auf besonderen Wunsch wird der Gemeindebrief auch über die Gemeindegrenzen hinaus per Post verschickt. Eine Veröffentlichung des Gemeindebriefes im Internet ist nicht vorgesehen. Er kann aber per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellt werden und wird dann gegen Portobeteiligung zugeschickt.

Das Vorwort schrieb Pfarrer Joachim Wolff

Liebe Leserin, lieber Leser,
Büderich hat eine bewegte Geschichte. Ein Teil davon ist die Zerstörung der Stadt Büderich vor 200 Jahren. Dabei wurde auch die 1466 erbaute gotische Pfarrkirche  zerstört, die nach der Reformation von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt wurde. Büderich musste mehrere Besatzungsmächte ertragen: die Niederländer, die Spanier und die Franzosen. Die Konfession der Besatzer bestimmte auch das religiöse Leben der Stadt. Während des 30jährigen Krieges verlor Büderich mit dem Zoll eine wichtige wirtschaftliche Grundlage. Im Jahr 1629 wird der Ort durch „brandt eingeäschert und abgebrandt“.
    Büderich geriet 1794 in die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den französischen Revolutionsheeren auf der einen Seite, sowie den österreichischen und preußischen Truppen auf der anderen Seite. Die Stadt wurde geplündert und die Kirche zum Pferdestall umfunktioniert. Nach dem Friedensschluss verlor Büderich 1798 seine Stadtrechte und unterlag der zentralistischen Verwaltungsstruktur nach französischem Vorbild.
    Ende 1813 befanden sich Napoleons Truppen nach dem Russlandfeldzug und der Völkerschlacht bei Leipzig auf dem Rückzug, während die alliierten Truppen auf dem Vormarsch waren. Für den französischen Kaiser lag Büderich zu nahe am Fort Napoleon. „Dieses Nest da muss weg“, soll Napoleon Bonaparte gesagt haben. Den Befehl hierzu unterzeichnete Napoleon am 6. Dezember 1813. Am 11. Dezember wurden die Bewohner aufgefordert, den Ort binnen zwei Tagen bei bitterer Kälte zu verlassen. Über Nacht verloren sie ihr gesamtes Hab und Gut. Nach der Schätzung der Gebäude wurde Büderich dem Erdboden gleichgemacht. In der Kirche wurde der letzte Gottesdienst am 19. Dezember gefeiert. Nach diesem vierten  Adventssonntag wurde die Kirche gesprengt.
    In unserem Kirchenarchiv gibt es über diese Zeit nur wenige Unterlagen. Hermann J. Klein (siehe Seiten 11 bis 15) hat sie ausgewertet. Wir wissen nicht, ob es in dieser Zeit ein evangelisches Gemeindeleben gegeben hat, ob Gottesdienste gefeiert wurden und ob es einen Pfarrer gab. Es ist zu vermuten, dass die Evangelischen in den Nachbarorten Alpen und Wallach Asyl gefunden haben, weil es dort auch reformierte Gemeinden gab. Immerhin wurden alle Kirchenbücher sichergestellt.
    Nach dem Abzug der Franzosen kehrten einige Büdericher zurück und errichteten auf den Trümmern Nothütten, die sie bis zum März 1815 bewohnten. Ein altes Fortmagazin diente als Notkirche, wobei nicht bekannt ist, ob auch diese von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt wurde. Von 1815 bis 1822 wurde Neu-Büderich am heutigen Platz als städtebaulich einmalige Neuanlage von den Preußen errichtet. Jede Konfession bekam nun ihre eigene Kirche. Das erste Presbyteriumsprotokoll aus Neu-Büderich ist vom 26. Oktober 1832 – 22 Jahre nach dem letzten Eintrag aus Alt-Büderich.
    Indem wir an die Geschichte von Alt-Büderich erinnern, werden die Folgen jedes Krieges für die Zivilbevölkerung deutlich: Zerstörung der Heimat, Verlust der Wohnung, Vertreibung und Flucht, Kälte und Hunger sowie die Suche nach Asyl. Die Erinnerung an die eigene Ortsgeschichte sensibilisiert uns hoffentlich für das Schicksal heutiger Flüchtlinge, die vor Krieg und Zerstörung fliehen. Sie brauchen unsere Hilfe und Unterstützung. Wenn diese Hilfe unterbleibt, wie bei den afrikanischen Bootsflüchtlingen, ist dies, wie Papst Franziskus sagt, eine „Schande für Europa“. Hier ist auch unser Land als starker Teil von Europa gefordert.
    Das Motto unserer Gedenkfeiern vom 11. bis 15. Dezember lautet: „Suchet der Stadt Bestes. Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Die Bibel: Jeremia 29, 7.11) Im Advent warten wir darauf, dass Jesus Christus dieser Welt Frieden schenkt. Wir warten darauf in Solidarität mit denen, die heute Krieg und Flucht erleben müssen.
    Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und Frieden im Neuen Jahr.
Es grüßt Sie Ihr Joachim Wolff